Schon beim online-Check-In bekomme ich ein Gefühl dafür, was mich dort im Iran erwartet. Zu Hause an meinem Laptop poppt der Hinweis auf, sich bei der Landung in Teheran noch im Flugzeug mit einem Kopftuch zu bedecken. Es wird sein wie eine Rolle, in die ich schlüpfe

12 Tage durch den Iran

Schon beim online-Check-In bekomme ich ein Gefühl dafür, was mich dort im Iran erwartet. Zu Hause an meinem Laptop poppt der Hinweis auf, sich bei der Landung in Teheran noch im Flugzeug mit einem Kopftuch zu bedecken.   Es wird sein wie eine Rolle, in die ich schlüpfe. Auf die Erfahrung bin ich gespannt. Mein Reisebüro macht mich noch darauf aufmerksam, dass im Iran keine Kreditkarten akzeptiert werden. Also genug Bargeld einstecken!

Noch am Flughafen in Teheran werden wir zu Millionären, wir tauschen nämlich Geld. Für einen Euro bekomme ich 50.000 Rial, 1 Mio Rial sind folglich 20 Euro. Mit einem dicken Packen Geld ausgestattet geht es ins Hotel. Hier kann man nirgendwo mit Kreditkarte bezahlen, auch im 5 Sterne Hotel nicht. Visa und Mastercard sind amerikanische Zahlsysteme, das findet hier nicht statt. Sehr zum Bedauern der Bevölkerung, denn so bleibt einfach weniger ausländisches Geld im Land. Einzig und allein die Zunft der Teppichhändler haben hier eine Ausnahme-Genehmigung. Auch wir verkneifen uns vorerst das shoppen, denn wir wissen einfach nicht, was finanziell auf uns zukommt. Im Schnitt werden wir für Sightseeing und Essen 2,5 Mio Rial pro Tag ausgeben.

1. Station Teheran

Im Hotel angekommen suchen wir vergeblich nach der Bar und auch das wird nun klar – kein Alkohol, ohne Ausnahme! Mit dieser Art Absolutheit (keine Kreditkarten, keinAlkohol, Kleidervorschriften) bin ich zum ersten Mal konfrontiert und mag es nicht so richtig glauben. Irgendwie hatte ich damit gerechnet, daß es für Ausländer in guten Hotels Oasen der Ausnahmen gibt.

Das Kopftuch dürfen wir nur im Zimmer ablegen und beim ersten Abendessen im Hotel kommt es mir immer wieder in die Quere. Man muß sich definitiv dran gewöhnen.

Wir starten um 9 Uhr morgens, unser Guide holt uns ab und fährt mit uns ins Nationalmuseum. Ein Gebäude widmet sich ausschließlich der Zeit vor dem Islam. Dort bekommen wir einen ungefähren Überblick über die lange und vielschichtige Geschichte Persiens. Weiter geht es zum Golestan-Palast, einem wunderschönen Gebäude aus dem 18.Jh aus der Kadscharenzeit und zum weißen und grünen Palast des letzten Shah Reza Mohammed Pahlewi, der im vornehmen Westteil der Stadt liegt.  Hier gibt es wunderschöne Parks, allerdings fällt im Iran mittlerweile 45% weniger Regen, wie uns unser Guide erzählt. In diesem Stadtteil stehen wunderschöne Häuser, hier findet man auch Läden wie Gucci etc und etwa 10 Minuten entfernt ist das Skigebiet, wo sich die Reichen und Schönen des Landes im Winter auf der Piste tummeln. Leider ist das legendäre Jewels Museum und der Bazaar auf Grund eines Feiertages (Himmelfahrt d. Propheten) zu.

Über Quom nach Kashan

In Quom geht es zum “Schrein der Fatima”, die Moschee ist der 2.wichtigste Wallfahrtsort im Iran. Im Iran glaubt man an die 12 Imame (die Zwölfer-Schia) Hier liegt die Tochter des 7. und Schwester des 8.Imams begraben. Heute feiert man die Anerkennung Mohammeds als Prophet, entsprechend voll ist es hier. Unser Kopftuch reicht nicht, Ganz-Körper-Verhüllung (Tschador) ist angesagt. Zuerst geht es also in eine Art Umkleide-Kabine, wo wir professionelle Hilfe beim Anlegen bekommen. Die Moschee ist mit ihren 3 Kuppeln und 6 Minaretten riesig. Die Innenhöfe sind alle mit Teppichen ausgelegt. Kinder toben zwischen den Betenden, auch Picknik wird hier gemacht.

Das uralte Kashan liegt an der Seidenstraße und ist deshalb eine reiche Kaufmannsstadt. Am nächsten Tag werden wir die prächtigen Häuser und Gärten z.B. der wohl reichsten Tabatabai-Familie besichtigen! Als Spezialität gilt hier in Kashan das Rosenwasser und Safran. Letzteres ist mein erstes Shopping-Vergnügen, ich schlage zu!!

Der Innenhof unseres Boutique-Hotels ist bezaubernd, die Zimmer klein und dunkel.  Am nächsten Tag ist es allerdings so kalt, daß ich mir ein gemütliches Zimmer wünsche, aber das Leben ist kein Wunschkonzert, vor allem hier nicht. Wir kommen mit einer Familie ins Gespräch, die auf Grund des Feiertages einen Ausflug in das sehr bekannte Restaurant des Mahinestan Hotels gemacht haben. Nach der ersten obligatorischen Frage-“where are you from?” wollen die Frauen wissen, was wir vom Kopftuch halten. Dies wird sich überall wiederholen. Anfangs vorsichtig sagen wir ihnen, daß das für uns nicht akzeptabel ist und bekommen stürmische Zustimmung, auch von den Männern, die genauso wenig wollen, daß ihre Frauen, Schwestern, Mütter sich im Extremfall bei 50 Grad verschleiern müssen. Es lebt eben in jeder Familie noch jemand, der sich an das Leben unter dem Shah und an die damit verbundene Freiheit erinnert.

Zwischen Seidenstraße und Wüste

 

Trotz des Feiertags machen wir einen Spaziergang durch den prächtigen Basar und werden von einem älteren Herrn auf`s Dach eingeladen. Von dort oben haben wir einen Rundblick über die Stadt und ihre kuppelförmigen Dächer aus Lehm, anschließend müssen wir noch zum Tee bleiben. Auch hier hören wir uns eine spöttisch-zornige Tirade über die Mullahs an, die sich ihre Taschen auf Kosten der Bevölkerung mit Geld vollstopfen. Die Religion als Vorwand. Wer das Grabmal des Ajatollah Chomenei in Teheran einmal gesehen hat, kann dem kaum widersprechen. Wir verlassen unseren Gastgeber, wieder beeindruckt von der Freundlichkeit und Offenheit der Menschen hier.

Am Nachmittag machen wir noch einen 2-stündigen Ausflug in die Wüste in Richtung Salzsee und sind zum Abendessen im Hotel. Für Vegetarier ist das Essen mühsam, Kebab und Reis ist Nationalgericht. Ich versuche, Kartoffeln zu bestellen, die muß man aber erst am nächsten Tag einkaufen, dann bekomme ich sie stolz präsentiert – allerdings gegen einen Aufpreis von 120.000 Rials, die teuersten Kartoffeln meines Lebens!

Im 2. Teil fahren wir nach Yasd, Shiraz und Isfahan! Nächste Woche geht es weiter!

6 Kommentare
  • Petra Schneider
    Posted at 11:04h, 10 Mai Antworten

    Toll erzählt und sehr interessant . Kompliment. Dankeschön

    • Andrea L'Arronge
      Posted at 11:09h, 10 Mai Antworten

      Dankeschön!!

  • Berne Paul
    Posted at 20:39h, 10 Mai Antworten

    Bin gespannt auf Teil 2

    • Andrea L'Arronge
      Posted at 20:41h, 10 Mai Antworten

      Ich auch!!

  • Volker
    Posted at 15:46h, 12 Juni Antworten

    Hallo liebe Andrea,

    wunderschöne Eindrücke – danke dafür. Zufällig hier hineingestolpert über den Umweg “facebook” und “Herman van Veen” 🙂
    Ggfs trage ich Ihnen nun die berühmten Eulen nach Athen, aber was diese Reiseberichte angeht, verschlinge ich gerade recht viel von und über: https://de.wikipedia.org/wiki/Annemarie_Schwarzenbach

    Beste Grüße,
    Volker

    • Andrea L'Arronge
      Posted at 08:58h, 13 Juni Antworten

      Hallo lieber Volker, danke für den Tipp und viel Spaß auf der Reise!

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